Wer zur Festspielzeit nach Bayreuth kommt, kann sehr spannende und packende Tage erleben, wenn beispielsweise Star-Dirigent Christian Thielemann im Orchestergraben am Pult steht und Richard Wagner’s dramatische Opernmusik in der besten Akustik der Welt erklingen lässt. Wer Lust und Zeit an einem spielfreien Tag hat, sollte eine der zahlreichen, sehenswerten Highlights rund um den Grünen Hügel besuchen:

Das Neue Schloss mit Hofgarten (1753 von Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth für seine Gattin Markgräfin Wilhelmine erbaut)
Das Markgräfliche Opernhaus (das im 18. Jahrhundert als Opernhaus entstand, das an Größe und Pracht den berühmtesten Häusern seiner Zeit in nichts nachstand)
Die Eremitage (mit zauberhaften Garten-  und zahlreichen Brunnenanlangen, dem Ruinentheater und der Unteren Grotte – immer zugänglich)
Der Felsengarten Sanspareil („C’est sans pareil!“ „Das ist ohnegleichen!“) soll ein Gast Markgraf Friedrichs ausgerufen haben, als er die bizarre Felsenwelt in dem Buchenhain unweit der Burg Zwernitz erblickte)
Schloss und Park Fantasie (Drei Jahre nach dem Tod seiner Gattin Wilhelmine begann Markgraf Friedrich mit den Bauarbeiten 1761 für ein Schloss in Donndorf mit spätbarocken Gartenanlagen im Stil des sentimentalen Landschaftsgartens – seine Tochter ließ eine Katakombe und die Säule der Eintracht hinzufügen)

Villa Wahnfried (ursprünglich Wohnhaus und Rückzugsort von Richard Wagner, heute Museum und Wallfahrtsort seiner Verehrer)

Und natürlich das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel außerhalb der Festspiel- und Probenzeit – das Mekka der Opernfreunde aus aller Welt.

Von 1967 bis 2010 habe ich mit einigen wenigen Unterbrechungen mangels Festspielkarten die Richard-Wagner-Festspiele besucht, entweder hatte ich Zugang zu Generalproben oder zu Premierenvorstellungen. Der Besuch einer Vorstellung während der Premierenwoche waren für mich die glücklichsten Momente in meinem Leben, da mir die erotischen Opernkompositionen von Richard Wagner mit der besten Akustik der Welt im sprichwörtlichen Sinne „unter die Haut“ gingen. Zudem hatte ich das große Glück, in den Pausen und im Anschluss an die Vorstellungen in der „Eule“, im Gasthof „Weihenstefan“ oder bei Events der HÖR ZU oder der Deutschen Grammophon bekannten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Show-Biz und Mitgliedern des Festspiel-Ensembles zu begegnen.

Jesco Hans Heinrich Max Freiherr von Puttkamer war ein deutsch-US-amerikanischer Raumfahrtingenieur und Autor. 40 Jahre lang stand er im Dienst der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und war deren Dienstältester Mitarbeiter.
Erika Heck (1914 – 2015), die Grande Dame von Bayreuth neben der Begum und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, von jedem geliebt und verehrt. Am 28. Mai 2014 feierte sie ihren 100.sten Geburtstag im Mannheimer Hof Steigenberger mit 100 Gästen aus nah und fern. Festspielintendantin Eva Wagner-Pasquier war auch dabei.
Walther und Ilona Riemerschmid, Bayreuth
Nach einer Premierenvorstellung trafen wir uns regelmäßig beim Staatsempfang der Bayerichen Staatsregierung oder zur traditionellen Einkehr im Gasthaus Weihenstefan (siehe Foto).

Festspielleiter Wolfgang Wagner konnte viele prominente Festspielgäste begrüßen wie beispielsweise Bundespräsident Richard von Weizäcker, Václav Havel (ehemaliger Präsident der Tschechischen Republik), Hans-Dietrich Genscher (vormals Bundesminister des Innern sowie von 1974 bis 1992 fast ununterbrochen Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler), den bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß, Vico von Bülow mit seiner Hauptdarstellerin Evelyn Hamann (die mit ihrem Partner Loriot jeden Sketch penibel plante und leider 2007 an Lymphdrüsenkrebs starb), Walther Scheel (der vierte Bundespräsident der BRD), der ehemalige Außenminister und Vize-Kanzler Guido Westerwelle mit Ehemann und Sportmanager Michael Mronz (siehe Foto). Ein Mitglied des Brenninkmeijer-Familien-Clans (C&A) gehörte ebenso jahrelang zu den Festspielgästen wie Entertainer und Moderator von „Wetten, daß…“ Thomas Gottschalk mit Gattin Thea und eine bunte Schar von Promis und populären Schauspielern. Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte vielfach die Festspiele zusammen mit Ehemann und Physiker und Chemiker Prof. Joachim Sauer (siehe Foto). Natürlich fehlt niemals Fürstin Gloria von Thurn und Taxis in der ersten Reihe im Festspielhaus. Viel bewundert war in den 1980er und 1990er Jahren die strahlend schöne Begum Aga Khan umgeben von ihren Märchenprinzen wie aus 1001 Nacht.

Ich hatte das große Glück, als Gast des Mannheimer Kammersängers Jean Cox (wir waren 50 Jahre lang befreundet) in seinem Haus in Peesten mit meinem Töchterchen, Cocker-Spaniel und Ehemann Wulf wohnen zu können und dort beispielsweise die interessante Schwiegertochter Richard Wagners, Winifred Wagner (Festspielleiterin in den 1930er Jahren)  kennen zu lernen (Mutter von Wolfgang Wagner, Wieland Wagner, Friedelind Wagner, Verena Lafferentz. Auch unter den Fittichen meiner „Vize-Mama“ Erika Heck bin ich vielen prominenten Persönlichkeiten begegnet wie Schaupieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz aus Berlin (siehe Fotos) oder der britischen Opernsängerin Gwyneth Jones.

Barbara Schöne, Stadträtin a. D.

Auch heute noch bin ich im tiefsten Herzen „Wagnerianerin“, wenngleich ich die Inszenierungen der jüngsten Zeit nicht mehr genießen könnte und 2010 Bayreuth und den Richard-Wagner-Festspiele den Rücken kehrte, da die Inszenierungen m. E. zu provokant bis unappetittlich sind (z.B. Schlingensief’s Parsifal mit seinem morbiden Hasenfell aus Namibia als Schussbild). Die große Ära der 1960er, 1970er, 1980er und 1990er Jahre gingen zu Ende. Es fehlen geniale Regisseure wie beispielsweise der Franzose Jean-Pierre Ponnelle, dessen innovative „Tristan-Inszenierung“ mir bis ans Ende meiner Tage vor Augen ist. Ich vermisse lyrische Tenöre wie Kammersänger Jean Cox in seinen Glanzrollen als Lohengrin oder Siegfried. Von 1977 bis 1999 war Siegfried Jerusalem Mitglied des Ensembles der Bayreuther Festspiele – unvergessen ist sein Tristan an der Seite der großartigen Waltraut Meier 1999 unter dem Dirigat von Daniel Barenboim. Natürlich habe ich alle Einführungsvorträge besucht, anfangs bei Erich Rappl, später bei Stefan Mikisch – auch diese Vormittage waren bereits musikalische Highlights in Vorbereitung auf die anschließende Premierenvorstellung (wenn ich eine Karte ergattert hatte). Selbst Placido Domingo trat während der laufenden Opernaufführung überraschend als Parsifal auf. Sicherlich bekommen auch heute noch Festspielchor und Festspielorchester frenetischen Applaus wie seit eh und je; dieses unter die Haut gehende Musikerlebnis vermisse ich bis heute. Als ehemaliges Mitgied der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth wünsche ich diesem Mäzenatentum auch weiterhin großzügige Spender, damit die Bayreuther Festspiele nicht ganz von der Opernbühne verschwinden. Eva Wagner-Pasquier (siehe Foto) hat sich als künstlerische Leiterin bereits 2015 verabschiedet, und auch SIEMENS trat als Sponsor zurück. Doch Christian Thielemann soll sich als Chef-Dirigent und nun als Musikalischer Direktor um die Verpflichtung von Sängern und die Besetzung des Orchesters bis 2020 kümmern. Großartig war 2002 sein Thannhäuser-Debut auf dem Grünen Hügel, das Musikgeschichte geschrieben hat. Meine „Vize-Mama“ Erika Heck fiel mir nach der Vorstellung um den Hals mit den Worten „DAS IST BAYREUTH“ !

Unvergessen sind auch die großzügigen Einladungen der lokalen Meisel-Brauerei an einem festspielfreien Tag in die Orangerie mit Sonnentempel der Eremitage. Unter den weiß-blauen Sonnenschirmen wurden dem Festspiel-Ensemble, Mitgliedern von Orchester und Chor und geladenen Gästen Weißwürste und ein süffiges Weißbier kredenzt – sehr zum Vergnügen der rund 800 Gäste und Dieter Mronz, dem Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth von 1988 – 2006 (siehe Fotos).