Sieben Wochen nach dem Tod König Ludwigs II. wurde Neuschwanstein im Jahr 1886 dem Publikum geöffnet. Der menschenscheue König hatte die Burg erbaut, um sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen – jetzt wurde sein Refugium zum Publikumsmagneten.

Neuschwanstein gehört heute zu den meistbesuchten Schlössern und Burgen Europas. Rund 1,4 Millionen Menschen jährlich besichtigen „die Burg des Märchenkönigs“. Im Sommer drängen sich im Durchschnitt täglich mehr als 6.000 Besucher durch Räume, die für einen einzigen Bewohner bestimmt waren. Das führt – in Verbindung mit dem alpinen Klima und Licht – zu erheblichen Belastungen für die wertvollen Möbel und Textilien, um deren Erhalt sich die Schlösserverwaltung intensiv bemüht.

Die idyllische Lage von Neuschwanstein ist einmalig. Allerdings müssen Bewegungen im Fundamentbereich ständig überwacht und die steilen Felswände immer wieder gesichert werden. Ebenso greift das raue Klima die Kalkstein-Fassaden stark an, was immer wieder Sanierungsmaßnahmen erfordert.

Idee und Entstehung – Entstehungsgeschichte

Ludwig II., seit 1864 König von Bayern, richtete im Mai 1868 folgende Zeilen an den von ihm verehrten Komponisten Richard Wagner:

 

Idealentwurf zu Schloss Neuschwanstein von Christian Jank, 1869

Idealentwurf zu Schloss Neuschwanstein von Christian Jank, 1869

„Ich habe die Absicht, die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht neu aufbauen zu lassen im echten Stil der alten deutschen Ritterburgen, und muss Ihnen gestehen, dass ich mich sehr darauf freue, dort einst (in 3 Jahren) zu hausen; mehrere Gastzimmer, von wo man eine herrliche Aussicht genießt auf den hehren Säuling, die Gebirge Tirols und weithin in die Ebene, sollen wohnlich und anheimelnd dort eingerichtet werden; Sie kennen Ihn, den angebeteten Gast, den ich dort beherbergen möchte; der Punkt ist einer der schönsten, die zu finden sind, heilig und unnahbar, ein würdiger Tempel für den göttlichen Freund, durch den einzig Heil und wahrer Segen der Welt erblühte. Auch Reminiszenzen aus ‚Tannhäuser‘ (Sängersaal mit Aussicht auf die Burg im Hintergrunde), aus ‚Lohengrin‘ (Burghof, offener Gang, Weg zur Kapelle) werden Sie dort finden; in jeder Beziehung schöner und wohnlicher wird diese Burg werden als das untere Hohenschwangau, das jährlich durch die Prosa meiner Mutter entweiht wird; sie werden sich rächen, die entweihten Götter, und oben weilen bei Uns auf steiler Höh‘, umweht von Himmelsluft.“

Fast alle Aspekte seines Neuschwanstein sind hier genannt. Unerwähnt aber blieb der politische Auslöser: 1866 hatte Bayern im Bündnis mit Österreich einen Krieg gegen das expandierende Preußen verloren. Bayern wurde ein „Schutz- und Trutzbündnis“ aufgezwungen, das dem König im Kriegsfalle die Verfügung über seine Armee nahm. Damit war Ludwig II. seit 1866 kein souveräner Herrscher mehr. Diese Einschränkung war das größte Unglück seines Lebens. 1867 begann er die Planungen für ein eigenes Reich, in dem er sich als wirklicher König fühlen und bewegen konnte: seine Schlösser.

Märchenschloß im Winter

Märchenschloß im Winter

Marienbrücke über der Pöllath-Schlucht

Marienbrücke über der Pöllath-Schlucht

Sagen

Die Bilderzyklen Neuschwansteins waren inspiriert von den Opern Richard Wagners. Als direkte Vorlagen für die Ausgestaltung dienten jene Sagen des Mittelalters, auf die auch der Komponist zurückgegriffen hatte.

Sigurd

Sigurd

Die Wände des unteren Vorplatzes sind mit Szenen aus der Sigurd-Sage bemalt.

 

Gudrun

Gudrun

Die Gudrun-Sage führt in den Wandbildern des oberen Vorplatzes die Sigurd-Sage weiter.

 

Tristan und Isolde

Tristan und Isolde

Im Schlafzimmer finden sich an den Wänden gemalte Szenen aus Tristan und Isolde.

 

Parzival

Parzival

Der Sängersaal ist mit Wandgemälden aus der Parzival-Sage geschmückt.

 

Lohengrin

Lohengrin

Im Wohnzimmer wird der Parzival-Zyklus mit den Abenteuern seines Sohnes Lohengrin fortgeführt.

 

Tannhäuser

Tannhäuser

Im Arbeitszimmer wird der tragische Lebensweg des Minnesängers Tannhäuser dargestellt.

Treffpunkt: Hotel in München, Fahrt mit dem Touristenbus oder der gebuchten Limousine etwa 2 Stunden nach Hohenschwangau. 30 Minuten Spaziergang hinauf zum Schloss oder Busfahrt mit dem Blauen Bus (Eigentum der Wittelsbacher) bis nahe zur Marienbrücke mit phantastischem Blick hinunter zum Schloss. Wanderung hinunter zum Schoss mit herrlichem Blick auf den Alpsee, die Tiroler Berge und Schloss Hohenschwangau.

Vorab-Reservierung zum Eintritt und zur Schlossführung in der gewünschten Sprache unbedingt erforderlich – ohne Ticketkauf am Ticketoffice in Hohenschwangau oben kein Eintritt ins Schloss. Zusammen mit einem Schlossführer begleite ich Sie in den Thornsaal, in sein opulent augestaltetes Schlafzimmer mit hervorragendem Schnitzwerk aus Eiche, in sein Speisezimmer und schließlich hinauf unters Dach in den Sängersaal mit Wandmalereien aus der Oper „Parsifal“ mit Klingsors Zaubergarten.

Barbara Schöne, Reiseleiter und offizieller Gästeführer seit 40 Jahren

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