PETUELTUNNEL JETZT

Mit diesem Bierdeckel und der Verteilung von 35 000 Stück kurz vor der Stadtratswahl am 10. März 1996 habe ich vom aussichtlosen Platz 46 das letzte Mandat als Stadtrat der CSU-Stadtfraktion gewonnen.

40 Jahre politische Achterbahn

Die politische Achterbahn Pro und Contra Petueltunnel endete schließlich glücklich mit dem erfolgreichen Bürgerentscheid am 23. Juni 1996. Doch der Weg bis dahin war für die Anrainer und Tunnelbefürworter äußerst steinig und wurde von Rot/Grün ständig mit Stolpersteinen torpediert.

Deshalb wurde die Privatinitiative der betroffenen Bevölkerung rund um den Petuelring notwendig. Wir Verwaltungsbeiräte der sieben Wohntürme am Petuelring / Rümannstraße / Klopstockstraße haben am 10. Dezember 1990 die BÜRGERINITIATIVE PETUELRING eV – Pro Tunnel Aktion als gemeinnützigen Verein gegründet. Ich wurde einstimmig zur Vorsitzenden gewählt. Dank des Engagements von Rechtsanwalt Walter Huber wurde unser Verein im Sinne des Umweltschutzes als gemeinnützig anerkannt.

 

Die Wahllüge vom OB Kronawitter als billige Lösung

Mit pressewirksamen Aktionen haben wir Münchens Öffentlichkeit immer wieder auf die dringende Notwendigkeit des Tunnelbaus aufmerksam gemacht. Im März 1990 wurde die Baugenehmigung für den Petueltunnel erteilt. Mit den großzügigen Zuschüssen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik bis zu 83 % hätte sofort gebaut werden können. Bei der Stadtratswahl am 18. März 1990 hat die SPD im Münchner Norden wegen ihres Vetos gegen den Petueltunnel viele Wählerstimmen verloren. So wählte Oberbürgermeister Georg Kronawitter (SPD) die Wahllüge als billige Lösung und ging eine Koalition mit Bündnis90/Die Grünen ein. Kronawitter wollte partout seinen Chefsessel im Münchner Rathaus behalten.

Vor der Stadtratswahl vom 18. März 1990 hat OB Kronawitter (SPD) im Stadtfernsehen „TV weiß-blau“ lauthals verkündet: „Der Petueltunnel wird gebaut. Er wurde beschlossen mit meiner massiven Unterstützung“!!! Dieses Interview hat der clevere Journalist Werner Zwick in der Klopstockstraße 8 aufgezeichnet.

Der Petuelpark aus der Vogelperspektive

Auf dem 1,5 km langen  Petueltunnel entstand der 6,5 ha große Petuelpark als grüne Oase zwischen Schwabing und Milbertshofen.

Nach der verlorenen Stadtratswahl und der neuen rot/grünen Koalition kam das AUS für den Tunnelbau. Der Baustopp wurde von Bündnis90/DieGrünen im Koalitionsvertrag mit der SPD unter dem Punkt „Verkehr“ für den baureifen Petueltunnel festgeschrieben. Daraufhin rettete sich OB Kronawitter (SPD) in seine Wahl-Lüge als billige Lösung. Es wurde scheinheilig behauptet, es sei kein Geld da.

Unsere Privat-Initiative

Das war für mich als Anrainerin und Mitglied im Verwaltungsbeirat der Wohnanlage Rümannstraße 57 mit 81 Eigentumswohnungen das Signal. Mit anderen Tunnelbefürwortern habe ich in meinem Wohnzimmer einen Brandbrief an OB Kronawitter (SPD) geschrieben. Cleverle Walter Zöller (CSU-Stadtrat) empfahl uns, unseren Brief persönlich im Oberbürgermeisterbüro im Rathaus abzugeben. Auf unserer maschienengeschriebenen Kopie sollten wir uns einen Eingangstempel geben lassen. So habe ich das auch gemacht. Dieses Papier ging weiter an die Lokalpresse.

Das war der eigentliche Start zu unserer privat organisierten Bürgerinitiative. Sie sollte neun Jahre lang dauern. WOW. Wir bekamen keine Zuschüsse von irgendeiner Institution aus dem Handel, HWK, IHK, Wirtschaft, Politik oder der Kirche. Wir mussten alle Ausgaben privat bezahlen. Es waren betroffene Bürger rund um den verkehrsreichen Petuelring, die unseren gemeinnützigen Verein unterstützten. Weder die Industrie- und Handelskammer noch die Stadt München oder gar das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie noch das Bayerische Umweltministerium hatten eine müde Mark für unsere Bürgerinitiative übrig.

Bis zu 100.000 PKWs, Busse, Lieferwägen, Brummis, Notfahrzeuge, Taxis oder Feuerwehrautos standen vor unserer Nase im Stau auf dem Petuelring. Unsere Kinder erstickten schier im rußigem Feinstaub und an den giftigen Abgasen.

Ein schwarzer Sarg für OB Kronawitter

Café Ludfwig auf dem Petueltunnel

Der kubische Bau entstand als Teil der „Kunst am Bau im öffentlichen Raum“

Wir, die ehrenamtlichen Mitglieder der sogenannten BIP eV, platzierten öffentlichkeitswirksam einen schwarzen Sarg vor das Neue Rathaus München. Mit dieser Aktion wollten wir der breiten Öffentlichkeit klar machen, dass wir unseren Petueltunnel mit Park nicht begraben lassen. Für diesen Tag hatten wir einen Besprechungstermin bei Herrn Oberbürgermeistesr Kronawitter im Rathaus.

Ein Esel für OB Kronawitter

Im Jahr darauf hat mir mein Germeringer Tierarzt Fritz Husmann verraten, wo ich einen echten Esel herbekommen könnte. Mit einem Münchner Taxi plus Anhänger von Herrn Herzinger holte ich diesen Esel aus dem Umland ab. Eine Schneiderin hatte eine knallrote Satteldecke und eine giftgrüne Krawatte geschneidert. So präsentierte ich den rot/grün dekorierten Esel den Pressephotographen auf dem Marienplatz mit Blick auf die Etage des Münchner Oberbürgermeisters, des „roten Schorsch“. Die Pressevertreter waren begeistert. Journalisten stehen nämlich sehr ungern im Stau. So haben uns die Journalisten durch ihre Berichterstattungen bei unserer Pro-Tunnel-Aktion unterstützt.

Esel-Monument auf dem Petueltunnel

Dieser Esel auf dem Petueltunnel erinnert mich an die jahrelange Eselei im Münchner Rathaus, also an die politische Achterbahn von 40 Jahren um den Petueltunnel

Die „Zwergerl“-Demonstration

Die größte Pro- und Contra-Presse erhielt ich mit der von mir organisierten Zwergerl-Demo am 25. Oktober 1995. 92 Kinder des Kinderheims St. Joseph mit angeschlossenem Kindergarten an der Ecke Petuelring / Schleißheimer Straße konnte ich zusammen mit Schwester Oberin Mathilde in 40 mit bunten Luftballons geschmückte Taxis setzen. So wurden wir sicher über die für uns gesperrte Ludwigstraße ins Innenministerium am Odeonsplatz chauffiert. Im Innenhof demonstrierten wir für den Petueltunnel mit Park mit einem schrillen Pfeifkonzerten der betroffenen Kinder und überreichten 10.000 Pro-Tunnel-Unterschriften, die ich zuvor gesammelt hatte.

Das war für uns ehrenamtliche „Ring-Kämpfer“ der Auftakt für das Bürgerbegehren „3 Tunnel braucht der Mittlere Ring“.

Die Rote Mauer im Petuelpark

Die Rote Mauer im grünen Petuelpark ist ein Denkmal für die Rot-/Grünen Tunnelgegner im Münchner Rathaus.

Diese Pro-Tunnel-Aktion wurde in der Lokalpresse viel beachtet. Vermutlich hat die damalige Kultusministerin und Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten veranlassen lassen, dass unserer BÜRGERINITIATIVE PETUELRING E.V. – Pro-Tunnel-Aktion – kurz BIP e.V. genannt – die Gemeinnützigkeit entzogen wurde. Trotz Endspurt für unseren Tunnel konnten wir ab Dezember 1995 keine Spenden für weitere Pro-Tunnel-Aktionen mehr sammeln. Das bedeutete fast das AUS für unsere langjährigen Bemühungen. 1996 mussten wir betroffene Anrainer privat nochmals 18.000 DM aus eigener Tasche zusammenlegen und nachschießen.

14 Tage vor dem für uns so eminent wichtigen Bürgerentscheid haben wir eine große Pro-Tunnel-Aktion mit 500 Mitwirkenden am 16. Juni 1996 entlang der für uns gesperrten südlichen Fahrbahn des Petuelrings veranstaltet – ein sonniger Sonntag. Das Presse-Echo war sehr gut. Dem damaligen KVR-Chef Dr. Hans-Peter Uhl (CSU) und seinem Team sage ich heute noch herzlichen Dank.

Der erfolgreiche Bürgerenscheid „3 Tunnels braucht der Mittlere Ring“

Mit nur 1.881 Stimmen Vorsprung vor dem „Besseren Bürgerbegehren“ von OB Christian Ude (SPD) haben wir „Ring-Kämpfer“ gewonnen. Mitgestimmt hatten außer den drei Bürgerinitiativen die Mitglieder der Industrie- und Handelskammer, die Taxi München eG, die Handwerkskammer, verschiedene politische Parteien und viele betroffene Bürger des Münchner Nordens.

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) war sehr verärgert über diese immense politische Schlappe und ließ die Stimmzettel nachzählen. Christian Ude war der größte Tunnelgegner und wollte nicht akzeptieren, das die Stadt jetzt drei Ring-Tunnel bauen müsse. Das Wahlergebnis von knappen 50,7 % in der Stichfrage reichte uns jedoch zum Sieg!!!

Madonna im Petuelpark

Diese Mutter Gottes mit dem Jesuskind ist Teil der „Kunst am Bau im öffentlichen Raum“

Am Sonntag, 23. Juni 1996, haben die Münchner entschieden, dass nicht nur der Petueltunnel mit Park sondern auch die beiden anderen dringend notwendigen Straßentunnel am Mittleren Ring im Osten und Südwesten für mehr als insgesamt 1,5 Milliarden DM gebaut werden müssen. Am 10. März 1996 war ich für mein Pro-Tunnel-Engagement zur Ehrenamtlichen Stadträtin gewählt worden – als Schlusslicht der CSU-Stadtratsfraktion. Die Vollversammlung im Rathaus beschloss am 4. Juli 1996, dass der Bürgerentscheid rechtens war. Die 3 Tunnels am Mittleren Ring mussten gebaut werden. Das war eine bittere Pille für Herrn Oberbürgermeister Christian Ude (SPD).

Nun lag es an der Stadtverwaltung, die Baugenehmigung des Petueltunnels zu aktualisieren und den Petueltunnel umgehend zu bauen. Die Stadt musste folgerichtig auch die Bauplanungen bis zur Baugenehmigung des Richard-Strauss-Tunnels und des Langen Tunnels Südwest am Luise Kiesselbach-Platz vorantreiben. Im Bürgerentscheid war schließlich der Bau der drei Straßentunnel am Mittleren Ring bis 2015 beschlossen worden.

Der damalige Baureferent und berufsmäßige Stadtrat Horst Haffner (FDP) wer der Erste, der mir schriftlich zum völlig überraschenden Einzug ins Münchner Rathaus am 10. März 1996 gratulierte. Horst Haffner und ich freuten uns in der Vollversammlung des Münchner Stadtrats am 4. Juli 1996 am meisten, dass das Baureferat nun endlich mit dem lang ersehnten Tunnelbau am Petuelring beginnen konnte.

Es sind die Freiräume, die Plätze und Grünanlagen, die das Bild einer Stadt prägen und ihre Attraktivität für Anrainer und Besucher ausmachen. München bietet zahlreiche herausragende Beispiele moderner Freiraumgestaltungen wie beispielsweise dieses Großprojekt Petuelpark, der den Alltag von Hunderttausend Bewohnern im Münchner Norden sehr positiv mitbestimmt. Kinder können sich wunderbar in einem 1000 qm großen Wasser-Sand-Spielpaltz austoben. Spaziergänger, Fahrradfahrer, Besucher des Café Ludwig mit beschaulichem Garten-Restaurant direkt am Nymphenburger-Biedersteiner-Kanal genießen diesen neu gewonnenen Lebensraum.

Alle 3 Tunnel am Mittleren Ring sind seit 25. Juli 2015 fertiggestellt und ein Segen für den Wirtschaftsverkehr ebenso wie die Tausenden von Münchner Anrainern, Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser der Bayern-Metropole. Damit wurde die größte Umweltsünde Münchens ad acta gelegt!

1997 wurden alle Bäume entlang des Petuelrings gefällt, nachdem bereits rund 10 Millionen Mark in die Spartenverlegung vor dem Tunnel-Aus investiert worden waren. Der Bau des Straßentunnels wurde im Untergrund begonnen, während oben auf der Baustelle immer noch 6 Fahrspuren für den Durchgangsverkehr aufrecht erhalten bleiben mussten. Nach einer 5-jährigen Bauzeit wurde der Petueltunnel am 6. Juli 2002 eröffnet. Die beiden 1,5 km langen Tunnelröhren wurden dem Auto- und Brummiverkehr frei gegeben. Der etwa 6,5 Hektar große Petuelpark auf dem Straßentunnel wurde 2004 fertiggestellt und verbindet die Stadtteile Schwabing und Milbertshofen/Am Hart wieder miteinander. So ist ein Kunst- und Erholungsraum mit Plätzen und Brunnen und Café auf einem Straßentunnel entstanden – einmalig in ganz Deutschland.

Das Café Ludwig wurde 2005 auf dem Petueltunnel fertiggestellt und in Anlehnung an Ludwig Petuel, dem Namensgeber dieses Ringabschnitts, benannt. Das aus dem Topf für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum finanzierte Café Ludwig sorgt für das kulinarische Freizeitvergnügen der Ring-Anrainer. Der Petueltunnel mit Park ist eine schöne Sehenswürdigkeit von München und ein prima Beispiel dafür, wie eine private Initiative eines der wichtigsten Verkehrsprojekte der Nachkriegszeit gegen den Willen der Stadtregierung und von zwei Münchner Oberbürgermeistern durchgesetzt werden konnte.

Barbara Schöne

Ehrenamtliche Vorsitzende der BÜRGERINITIATIVE PETUELRING EV – Pro Tunnel-Aktion / Pro Petuelpark ab 12.10.1990

Mitglied des Ehrenamtlichen Stadtrats von München von 1996 bis 2002

In meiner Eigenschaft als offizieller Gästeführer seit 1976 zeige ich Ihnen gerne den Petueltunnel mit Park und biete Ihnen einen herrlichen Blick auf den Park von oben aus der Vogelperspektive.

Petuelpark

This 900 meter-long and 60 meter-wide park on top to the Petuel Tunnel connects Milbertshofen and Schwabing and has given residents a place to relax since 2004. The 13 works of art located throughout the park are also worth a look.