20 Jahre Petuelpark – Das Bayerische Fernsehen – Abendschau – 27. Juni 2024

20 Jahre Petuelpark – ein steiniger Weg zur grünen Oase…

Vor 20 Jahren wurde der Münchner Petuelpark eröffnet. Eigentlich ist der Park ein Nebenprodukt eines erbitterten kommunalpolitischen Streits, der in den 1990er Jahren die Stadtpolitik beherrschte. Erst mit der knappen Mehrheit von 50,7 % in der Stichfrage haben die Tunnelbefürworter in Münchens erstem Bürgerentscheid “3 Tunnel braucht der Mittlere Ring” gewonnen. 1997 war Baubeginn am Petueltunnel – also Weiterbau der 1990 zugeschütteten Baugruben an der Leopoldstraße und Schleißheimer Straße.

Die Eröffnung des 1,473 km langen Petueltunnels wurde am 6. Juli 2002 groß gefeiert. Dann wurde auf dem Tunnelplateau ein 900 m langer und etwa 65 m breiter Grünstreifen angelegt mit schnurgeraden Fahrradwegen, verschiedenen sehr lustigen Kinderspielplätzen mit Wasser und Sand sowie Themengärten an der südlichen Tunnelmauer entlang des Nymphenburg-Biedersteiner-Kanals. Denn der Petuelpark liegt auf zwei Ebenen.

Aus der Vogelperspektive sieht man das Gesamtkunstwerk Petuelpark auf 7,4 Hektar. Im Zentrum das Café-Haus, Am Horizont im Westen die Olympiapressestadt. Im Osten Blick auf die Birkenallee mit Tunneleinfahrt Ecke Ingolstädter-/ Schenkendorfstraße

Der Park wurde als Skulpturenpark konzipierte. Das städtische “Kunstprogramm am Bau und im öffentlichen Raum” – genannt QUIVID – integrierte zwölf zeitgenössische Kunstwerke in die Landschaft – darunter Skulpturen, Klanginstallationen und Lichtobjekte. Internationale Künstler haben ihre Kunstwerke im Park auf dem Tunnelplateau oder auf Straßenniveau platziert.

Insbesondere das Café Ludwig von Architekt Uwe Kiessler wurde als Treffpunkt und Herz des Parks exakt auf der notwendigen Tunnel-Betriebsstation gebaut.

Die gesamte Parkanlage wurde behindertengerecht und barrierefrei gestaltet, nachdem ich als Stadträtin und Mitglied im Bauausschuss gegen den Willen des Schwabinger Bezirksausschuss-Vorsitzenden der SPD durchgesetzt habe, dass die Rampen hinauf auf das etwa 2,5 m hohe Tunneldach nicht die bundesweite Norm von 6 % Steigung erhalten würden sondern lediglich 3,5 % Steigung bekamen. Damals – also 2004 – besaßen die wenigsten Rollstuhlfahrer der Pfennigparade einen Rollstuhl mit Elektroantrieb und hätten bei einer 6 %-igen Steigung der Rampen das Tunnelplateau, die Parkanlage und das Café Ludwig nicht erreichen können. Diese “Umplanung” kommt insbesondere den rund 1.000 körperbehinderten Bewohner der Pfennigparade zugute.

Heute gilt der Petuelpark als internationales Paradebeispiel für gelungene “Stadtreparatur” und bietet einen enormen Mehrwert. Seit der Anlage des Mittleren Rings zu den Olympischen Sommerspielen 1972 in München riss diese sechsspurige Stadtautobahn mit bis zu 140.000 PKWs/LKWs/Notfahrzeugen und Lieferautos eine unüberwindbare Barriere im Münchner Norden und teilte Milbertshofen und Schwabing in zwei total voneinander getrennte Stadtteile. Durch die Verlegung des Verkehrs unter die Erde sank der ohrenbetäubende Dauerlärm für die tausenden Anwohner drastisch. Giftige Abgase, Feinstaub und Stickoxide werden seit 2002 im Tunnel kontrolliert abgeleitet. Die 7,4 Hektar Grünfläche wirken zudem als grüne Lunge und sorgen für eine bessere Lebensqualität.

Wo früher jahrzehntelang Stau und Beton dominierten, nutzen die Münchner Bürger heute großzügige Rasenflächen fürs Fußballspiel, Liegewiesen zum Ausruhen oder Lesen sowie einen 1000 qm großen Wasser-Sand-Kinderspielplatz für die Kleinen zum Pritscheln an den Wasserspeiern

Streetball-Plätze und großzügige Klettergerüste für die Jugendlichen

Das Café-Restaurant Ludwig als Treffpunkt und zur Erfrischung.

Bemerkenswert ist die weiße Marmorskulptur der Mutter Gottes mit Kind in einem Brunnen stehend als Patronin des Petuelparks des Amsterdamer Künstler Hans van Houwelingen. – am Ende der grünen Oase an der Barlachstraße unweit der Pfennigparade. Diese “Maria, Quell des Lebens” hat der Amsterdamer Künstler Hans van Houwelingen nach einer Skulptur des 15. Jahrhunderts geschaffen. Aus der Hand des Jesuskindes fließt Wasser, heute Trinkwasser. .

Der Berliner Künstler Raimund Kummer interpretiert seine große “Volière”, in der zwei langgezogene, fragile Glas-Skulpturen hängen, die in Grüntönen in einem achteckigen Glaspavillon schillern, als menschliche Augen. Für den Künstler strahlen seine Objekte mit ihrer makellos glatten Glasoberfläche die Schönheit fleischfressender Pflanzen aus und sollen doch die “Seele des Parks” darstellen.

Am nördlichen Ende des Parks schießt aus einem schwarzen Stiefelpaar auf einer Insel im Nymphenburg-Biedersteiner-Kanal spontan eine Wasserfontäne bis 7 m Höhe in die Luft, um dann wieder in sich zusammenzufallen. Ein weiteres Paar Gummistiefel, scheinbar von einem Gärtner vergessen, steht nahe der Leopoldstraße. Aus diesem Stiefelpaar schießt keine Wasserfontäne sondern es entweicht kalte Luft. Künstler Roman Signer, St. Gallen/Schweiz

Kinder klettern gerne auf das Muli genannt “GO”. Auf diesem Maulesel sitzt ein jugendlicher Cowboy im Schneidersitz, beladen mit Statussymbolen der “Trash-Kultur” an den Sattelknauf gehängt – alles in buntem Plastik verpackt. Die Düsseldorfer Künstlerin Pia Stadtbäumer kreierte hier einen zeitgenössischen Kontrast zu klassischen Reiterstandbildern mit den Insignien der Macht wie Zepter und Schwert.

Das “Rhetorischen Wäldchen” des Düsseldorfer Künstlers Harald Klingelhöller: sechs aus weißem und schwarzem Granit gefertigte Rednerpulte werden auf Knopfdruck praktische Trinkbrunnen – sehr angenehm im heißen Sommer.

Im “Hortus Conclusus” kann man in einem Quadrat aus hohen Eibenhecken ausruhen und die Langeweile zu einer langen Weile werden lassen. Künstler Rodney Graham aus Vancouver/Kanada ließ im Innern ein mechanisches Klavier installieren und nennt sein Werk “Musical Folly”. Die grasgrünen Stühlchen stammen aus dem historischen Jardin du Luxembourg.

Jugendliche spielen Fußball auf der großen Wiese oder auf dem kleineren Fußballplatz.

Der interkulturelle Generationengarten bietet 28 kleine Parzellen, die von Familien mit Migrationshintergrund bepflanzt und gemeinsam geerntet werden. Dieser ungewöhnliche, inzwischen sehr populäre Park ist ein Schmuckstück der besonderen Art. Auf Anfrage veranstalte ich sehr gerne ein Parkführung von 1 1/2 Stunden Dauer und zeige Ihnen den Skulpturen-Parcours. Nach Möglichkeit werfen wir an einem Mittwochnachmittag einen Blick in den Interkulturellen Generationengarten mit seinem Pavillon aus Wellblech als Aufenthaltsraum und zum Feiern von kleinen Familien-Festen.

Danach spaziere ich mit Ihnen durch die individuell gestalteten Themengärten entlang der südlichen Tunnelwand auf Straßenniveau entlang des Nymphenburg-Biedersteiner-Kanals und – falls möglich – gewähre ich Ihnen einen Blick auf den Petuelpark von oben aus der Vogelperspektive.

Barbara Schöne, Stadträtin a. D.

Gründerin der BÜRGERINITIATIVE PETUELRING e.V. – Pro Petueltunnel – Pro Petuelpark 1990

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Livereporter Mathias Flasskamp und seinem BR24-Kamerateam aus München und Landshut für die Begleitung meiner Parkführung zum 20. Parkgeburtstag am 27. Juni 2024