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40 Jahre politische Achterbahn Pro und Contra Petueltunnel endeten schließlich glücklich mit dem erfolgreichen Bürgerentscheid am 23. Juni 1996. Doch der Weg bis dahin war äußerst steinig und wurde von Rot/Grün ständig mit Stolpersteinen versehen, so dass es schließlich die Privatinitiative der betroffenen Bevölkerung rund um den Petuelring bedurfte. Wir Verwaltungsbeiräte der sieben Wohntürme am Petuelring / Rümannstraße / Klopstockstraße haben am 10. Dezember 1990 die BÜRGERINITIATIVE PETUELRING eV – Pro Tunnel Aktion als Verein gegründet, zu deren Vorsitzenden ich einstimmig gewählt wurde und der anschließend dank des Engagements von RA Walter Huber im Sinne des Umweltschutzes als gemeinnützig anerkannt wurde.

Mit pressewirksamen Aktionen haben wir die Öffentlichkeit im Münchner Norden immer wieder auf die dringende Notwendigkeit des Tunnelbaus aufmerksam gemacht, der am 2. Mai 1990 seine Baugenehmigung erhielt und mit den großzügigen Zuschüssen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik bis zu 83 % sofort hätte gebaut werden können. Doch just am 2. Mai 1990 – die SPD hatte im Norden wegen ihres Vetos gegen den Petueltunnel viele Wählerstimmen bei der Stadtratswahl verloren – musste Georg Kronawitter (SPD) eine Koalition mit Bündnis90/Die Grünen eingehen, um seinen Chefsessel im Münchner Rathaus zu behalten.

Vor der Stadtratswahl im März 1990 hatte OB Kronawitter (SPD) im Stadtfernsehen TV weiß-blau lauthals verkündet: „Der Petueltunnel wird gebaut, er wurde beschlossen mit meiner massiven Unterstützung“!!! Dieses Interview hat der clevere Jounalist Werner Zwick aus der Klopstockstraße aufgezeichnet.

img_2571Nach der verlorenen Stadtratswahl und der neuen rot/grünen Koalition kam das AUS für Tunnel, das von den Grünen für den baureifen Petueltunnel mit Park im Koalitionsvertrag mit der SPD unter dem Punkt „Verkehr“ festgeschrieben wurde. Daraufhin rettete sich OB Kronawitter (SPD) in seine Wahl-Lüge als billige Lösung. Es wurde scheinheilig behauptet, es sei kein Geld da. Das war für mich als Anrainerin und Mitglied im Verwaltungsbeirat der Wohnanlage Rümannstraße 57 mit 81 Eigentumswohnungen das Signal, mich mit anderen Tunnelbefürwortern zusammen zu tun und in meinem Wohnzimmer einen Brandbrief an OB Kronawitter zu schreiben. Cleverle Walter Zöller (CSU-Stadtrat) empfahl uns, unseren Brief persönlich im Oberbürgermeisterbüro im Rathaus abzugeben und auf unserer maschienengeschriebenen Kopie einen Eingangstempel geben zu lassen. Dieses Papier ging dann weiter an die Lokalpresse.

Das war der eigentliche Start zu unserer privat organisierten Bürgerinitiative, die neun (9) Jahre lang dauern sollte, ohne dass uns Zuschüsse von irgendeiner Institution aus Handel, Wirtschaft, Politik oder der Kirche  gewährt wurden. Wir mussten alles privat bezahlen. Es waren also betroffene Bürger rund um den verkehrsreichen Petuelring, die unseren gemeinnützigen Verein unterstützen, keine Industrie- und Handelskammer oder gar die Stadt München oder gar das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie oder das Umweltministerium. Bis zu 100.000 PKWs, Busse, Lieferwägen, Brummis, Notfahrzeuge, Taxis oder Feuerwehrautos standen vor unserer Nase im Stau auf dem Petuelring und erstickten uns schier mit rußigem Feinstaub und giftigen Abgasen.

img_2569Wir, die ehrenamtlichen Mitglieder der sogenannten BIP eV, platzierten pressewirksam einen schwarzen Sarg vor das Neue Rathaus München. Mit dieser Aktion wollten wir der Öffentlichkeit klar machen, dass wir unseren Petueltunnel mit Park nicht begraben lassen werden. Für diesen Tag hatten wir einen Besprechungstermin bei OB Kronawitter von 15 Minuten vereinbart.

Im Jahr drauf hat mir mein Germeringer Tierarzt Fritz Husmann verraten, wo ich einen echten Esel herbekommen könnte. Mit einem Münchner Taxi plus Anhänger von Herrn Herzinger holte ich diesen Esel aus dem Umland ab, für den eine Schneiderin eine knallrote Satteldecke und eine grüne Krawatte geschneidert hatte. So präsentierte ich den rot/grün dekorierten Esel der Presse auf dem Marienplatz mit Blick auf die Etage des Münchner Oberbürgermeisters, des „roten Schorsch“. Die Fotografen waren begeistert, weil auch sie ungern im Stau stehen und die Pro-Tunnel-Aktion durch ihre Berichterstattungen unterstützen.

Die größte Pro- und Contra-Presse erhielt ich mit der von mir organisierten Zwergerl-Demo Ende Oktober 1995, als ich 92 Kinder des Kinderheims mit Kindergarten an der Ecke Petuelring / Schleißheimer Straße zusammen mit Schwester Oberin in 50 mit bunten Luftballons geschmückte Taxis setzte und wir über die für uns gesperrte Ludwigstraße ins Innenministerium am Odeonsplatz fuhren, um für den Petueltunnel mit Park mit lautem Pfeifkonzerten der Kinder zu demonstrieren.

Das war für uns ehrenamtliche „Ring-Kämpfer“ der Auftakt für das Bürgerbegehren „3 Tunnel braucht der Mittlere Ring“.

img_2573Sofort nach dieser viel beachteten – und von der SPD viel kritisierten – Pro-Tunnel-Aktion in der Lokalpresse hatte die damalige Kultusministerin und Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, Monika H., veranlassen lassen, dass unserem Verein für den Petueltunnel mit Park die Gemeinnützigkeit entzogen wurde und wir keine Spenden für weitere Pro-Tunnel-Aktionen mehr sammeln konnten. Privat haben wir 1996 nochmals 18.000 DM zusammengelegt, um 14 Tage vor dem für uns so eminent wichtigen Bürgerentscheid eine große Pro-Tunnel-Aktion mit 500 Mitwirkenden am 16. Juni 1996 entlang der für uns gesperrten südlichen Fahrbahn des Petuelrings veranstalten zu können – dem damaligen KVR-Chef Dr. Hans-Peter Uhl (CSU) und seinem Team sage ich heute noch herzlichen Dank.

Mit nur 1.881 Stimmen Vorsprung vor dem „Besseren Bürgerbegehren“ von OB Christian Ude (SPD) haben wir „Ring-Kämpfer“ gewonnen. Mitgestimmt hatten außer den drei Bürgerinitiativen die Industrie- und Handelskammer, die Taxi München eG, die Handwerkskammer, verschiedene politische Parteien und viele betroffene Bürger des Münchner Nordens. OB Ude war sehr verärgert über diese große politische Schlappe und ließ die Stimmzettel nachzählen, weil er der größte Tunnelgegner war und nicht glauben wollte, das die Stadt jetzt drei Ring-Tunnel bauen müsse –

das Wahlergebnis von knappen 50,5 % reichte jedoch uns zum Sieg!!!

img_2568Am Sonntag, 23. Juni 1996, haben die Münchner entschieden, dass nicht nur der Petueltunnel mit Park sondern auch die beiden anderen dringend notwendigen Straßentunnel am Mittleren Ring im Osten und Südwesten für mehr als insgesamt 1,5 Milliarden DM gebaut werden müssen. Die anschließende Vollversammlung im Rathaus – am 10. März 1996 war ich vollkommen überraschend zur Ehrenamtlichen Stadträtin gewählt worden – beschloss am 4. Juli 1996, dass der Bürgerentscheid rechtens war und es nun an der Stadt lag, die Baugenehmigung des Petueltunnels zu aktualisieren, den Tunnel zu bauen und die Bauplanungen bis zur Baugenehmigung des Richard-Strauss-Tunnels und des Langen Tunnels Südwest am Luise Kiesselbach-Platz voranzutreiben und schließlich die drei Straßentunnel bis 2015 zu bauen. Der damalige Baureferent Horst Haffner (FDP) wer der erste Mensch, der mir schriftlich zum völlig überraschenden Einzug ins Münchner Rathaus am 10. März 1996 gratulierte und sich in der Vollversammlung am 4. Juli 1996 außer mir am meisten freute, dass er und sein Baureferat nun endlich mit dem lang ersehenten Tunnelbau beginnen konnte.

Es sind die Freiräume, die Plätze und Grünanlagen, die das Bild einer Stadt prägen und ihre Attraktivität für Anrainer und Besucher ausmachen. München bietet zahlreiche herausragende Beispiele moderner Freiraumgestaltungen wie beispielsweise das Großprojekt Petuelpark, der den Alltag von Hunderttausend Bewohnern im Münchner Norden mitbestimmt.

Alle 3 Tunnel am Mittleren Ring sind seit 25. Juli 2015 fertiggestellt und ein Segen für den Wirtschaftsverkehr und die Tausenden von Münchner Anrainern, Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser. Damit wurde die größte Umweltsünde Münchens ad acta gelegt!

1997 wurden alle Bäume entlang des Petuelrings gefällt und mit dem Tunnelbau begonnen. Der Petueltunnel wurde nach einer 5-jährigen Bauzeit am 7. Juli 2002 eröffnet und die beiden 1,5 km langen Tunnelröhren dem Autoverkehr frei gegeben. Der etwa 6,5 Hektar große Petuelpark auf dem Straßentunnel, der die Stadtteile Schwabing und Milbertshofen wieder miteinander verbindet, ist ein Kunst- und Erholungsraum mit Plätzen, Brunnen und dem Café Ludwig (wohl in Anlehnung an Ludwig Petuel, dem Namensgeber dieses Ringabschnitts). Das aus dem Topf für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum finanzierte Café sorgt für das kulinarische Freizeitvergnügen und wurde zu einer schönen Sehenswürdigkeit von München und ein prima Beispiel dafür, wie private Initiativen eines der wichtigsten Verkehrsprojekte der Nachkriegszeit gegen den Willen der Stadtregierung und von zwei Münchner Oberbürgermeistern durchsetzen konnten.

Barbara Schöne

Ehrenamtliche Vorsitzende der BÜRGERINITIATIVE PETUELRING EV – Pro Tunnel-Aktion / Pro Petuelpark

Mitglied des Ehrenamtlichen Stadtrats von München von 1996 bis 2002

In meiner Eigenschaft als offizieller Gästeführer seit 1976 zeige ich Ihnen gerne den Petueltunnel mit Park und biete Ihnen einen herrlichen Blick auf den Tunnelbau aus der Vogelperspektive.